EditorialHaltet zusammen, alles wird gut!

Ganz schön flauschig. Falls ihr euch gefragt habt, wer denn in dem Monsterkostüm steckt: Das ist Martina von Briese Studios – sie hatte bei diesem »Job« sichtlich Spaß.
Foto: Christoph Köstlin
Styling-Queens. Produzentin Leonie (rechts) und Stylistin Isabell beim Vorher-nachher-Shooting.
Foto: Sevim Aslan
Hier kommt der Sommer! Beauty-Kollegin Lea textete auf dem Balkon.
Foto links: Jan Rickers. Foto rechts: privat

Ihr Lieben,

die derzeitige Regel Nummer eins lautet: Bitte nicht verzweifeln! Und Regel Nummer zwei: Nicht den Menschen misstrauen! Da wir in Deutschland gern regeln, was zu regeln ist, hatten wir nicht allzu große Probleme mit dem ­Einhalten von Anweisungen. Allerdings überrascht mich, wie fast die ganze Welt sich an die vielleicht wichtigste Regel von allen gehalten hat: Aufeinander aufpassen.

Abstand zu halten ist in modernen Ballungsräumen eine Herausforderung. Wer die ver­gangenen Wochen in friedlicher ­Harmonie in den eigenen vier Wänden gemeistert hat, der kann schon einmal von sich behaupten, in einem stabilen Umfeld zu leben. Wer also noch nicht die Scheidung beantragt hat, nicht verhaltens­auffälliger ist als vor Corona, nicht vorübergehend von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde, nicht täglich den Voicemessenger der behandelnden psychologischen Praxis mit Problemen besprochen hat, wer seine neu erworbene Bastelhornhaut an den Fingern akzeptiert – und zu guter Letzt Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen und mitunter sogar Kunden vermisst; wer die eigenen vier Wände als Hort von Gemütlichkeit und Sicherheit erlebt, den Supermarkt um die Ecke, die Apotheke und den Hausarzt zu schätzen gelernt hat und, wie ich, einem Rentner mit einer handelsüblichen Slipeinlage im Gesicht freundlich »Guten Morgen« gesagt hat, der wird auch alles andere schaffen, was da noch kommen mag! Versprochen!
Was hätte ich in der letzten Zeit nur ohne meine Freunde gemacht? So viele private Telefonate hab ich seit Jahren nicht mehr geführt. Pausenlos flatterten Bilder und Videos rein. Von »Herzlich gelacht!« bis »Jetzt wird es auf der Senderseite aber langsam pathologisch« war alles dabei. Eines steht fest: Die Menschen sind kreativ und besitzen Humor! Freunde von Australien bis Irland, von Belgien bis Amerika hatten alle die gleichen Probleme – und können über exakt dasselbe schmunzeln.

Grund genug, in dieser Ausgabe die Freundschaft zu feiern und davon zu erzählen, was diese besondere Verbindung zu Menschen ausmacht. Die Redaktion hatte die charmante Idee, einige meiner Freunde zu Wort kommen zu lassen. Ein spannendes Projekt für mich, da ich darauf bestanden habe, all ihre Gedanken und Sätze erst im gedruckten Heft zu lesen.

Meine liebe Freundin, die Schauspielerin Natalia Wörner, wollte auf keinen Fall nur einige Sätze schreiben, und so beschlossen wir, dass wir in einer der nächsten Ausgaben eine große Geschichte von unserer Verbindung und unserem Blick auf die Welt da draußen erzählen werden. Ich freue mich sehr drauf! In der Titelgeschichte habe ich noch so einige andere Gedanken zu diesem großen Gefühl »Freundschaft« beschrieben, und es würde mich mächtig inter­essieren, was Freunde für euch bedeuten. Ich bin sehr gespannt
auf eure Zuschriften!

Einen Tag vor der neuen Zeit des Abstandhaltens hatte ich noch einmal die Chance, eine Freundin in Berlin zu treffen. Die letzte Frau, der ich näher als 1,50 Meter kam, war also Barbara Schöneberger. In unserem gemeinsamen Interview geht es um ­Ordnung. Denn was macht man, wenn man viel Zeit zu Hause ­verbringt? Genau: Aufräumen! Wir haben uns gut amüsiert, und ich bin mir sicher, dass Barbara froh ist, dass ich mit meiner Ordnungsliebe nicht bei ihr wohne! Eines noch: Ich hatte Barbara immer schon gern. Aber jetzt bin ich ihr noch mehr verfallen, denn eigentlich ist sie die wahre Mutter der Nation, ich liebe sie!

Aber wir wollen ja nicht nur über Corona nachdenken, daher haben wir in diesem Heft auch schöne andere Themen für euch: Nachhaltige Mode ist eines davon, denn ihr habt mir schon öfter geschrieben, dass euch das sehr am Herzen liegt. Das Vorurteil, dass nachhaltige Kleidung immer noch »öko« aussieht und nur was für Frauen ist, die Röcke mit Woll­socken in naturtrüben Farben ­tragen, ist definitiv überholt! Die Modewelt hat diese Nische entdeckt, und deshalb war es für unsere Redakteurinnen ein Leichtes, zu zeigen, wie Nachhaltigkeit aussehen kann – nämlich modern und chic!

In der kleinen Rubrik »­Stecker raus« geht es dieses Mal um Miniabenteuer im Alltag –ohne weite Reisen und lange Vorbereitung, quasi to go. Auch eine nette Idee für den Frühsommer, denn wer weiß, wie lange wir nicht werden reisen können. Aber: »Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt«, sagt die kroatische Mutter einer lieben Freundin gern. Recht hat sie! Wir halten zusammen, und wer nicht mitkommt, der wird mitgenommen. Wäre doch gelacht, wenn Corona nicht eines guten Tages wieder nur ein Bier aus Mexiko ist, in das oben ein Stückchen Zitrone reingesteckt wird. Herzlichst

Euer Guido Maria Kretschmer