EditorialErstens kommt es anders und zweitens als man denkt …

Ihr Lieben, wer von euch hat nicht auch schon die eine oder andere Überraschung erlebt?

Irgendwann mal auf Sylt zu leben hatte Guido eigentlich nie fest eingeplant. Aber als die Chance dann plötzlich da war …
Foto: Marius Engels/action press für Bauer Stars & Stories Experts

Das Leben ist eben nicht planbar. Davon handelt auch die Titelgeschichte in dieser Ausgabe. Und ich freue mich sehr, dass ihr die neue GUIDO jetzt in den Händen haltet. Das war dann allerdings geplant. Oder vielmehr gewollt, gewünscht, erhofft …
Wenn ihr euch fest vorgenommen hattet, euch mit meinem Magazin ein paar schöne Stunden auf dem Sofa zu machen, dann sage ich: So soll es unbedingt sein. Und hoffe, dass nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt – selbst wenn das nicht planbar ist.
Das Wörtchen „nicht“ in unserer Titelzeile scheint uns manchmal jeglicher Illusion vom freien und selbstbestimmten Leben zu berauben. Die Planbarkeit unserer Existenz fängt ja schon damit an, dass zum richtigen Zeitpunkt ein winzig kleines Ei von seinem äußerst zappeligen Gegenüber gefunden werden muss. Einem von 80 Millionen. Dem Schnellsten, dem Stärksten, dem zufällig gerade Vorbeikommenden? Dass in meinem Fall genau ich dabei herausgekommen bin beziehungsweise jeder von euch in seinem Fall, ist reiner Zufall, war so nicht planbar – aber ist doch trotzdem eigentlich ganz gut gelaufen, oder?
Und selbst wenn es mal nicht so gut läuft, kann in jeder überraschenden Wendung, in jedem Zufall oder sogar Unfall eine positive Entwicklung stecken. Wir erzählen sechs solcher Geschichten: von der Bahnradweltmeisterin, die nach einem schweren Sturz im Rollstuhl sitzt – und jetzt vielleicht Politikerin wird. Oder von meiner lieben GUIDO-Kollegin Christina, der eine gescheiterte Liebe erst die richtige Orientierung für ihr heutiges Leben gab. In einem Test könnt ihr herausfinden, wie gut ihr auf Überraschungen reagiert. Und unsere Expertin, die Psychologin Dr. Maja Storch, gibt uns gute Argumente an die Hand, warum es sich nicht lohnt, verpassten Gelegenheiten nachzutrauern, sondern wir lieber die Augen offen halten sollten, um die Chancen zu sehen, die jedes Chaos mit sich bringt. Ich plane übrigens schon mein ganzes Leben lang gern und beständig alles durch. Und was nicht planbar ist, wird planbar gemacht. Die Titel­geschichte beginnt auf Seite 72.
In der Style-Challenge dreht sich in dieser Ausgabe alles um den Plisseerock. Und glaubt mir, dieses Material muss auch sehr gut geplant eingesetzt und gestylt werden. Plissee kann alles, was ihm nachgesagt wird. Wer in Falten liegt, und seien sie auch noch so akkurat in die Struktur gepresst, kann entweder den Modeolymp erobern oder hat einfach nur einen Knick in der Optik. Falten sind manchmal wunderbar, und im Gegensatz zur Kosmetik werden sie in der Mode gerade ziemlich gefeiert. Wie sich unsere vier Kandidatinnen aus der Affäre gezogen haben, seht ihr ab Seite 18.
Meine Modeinspiration in diesem Monat ist die Farbe Weiß. Streng genommen ist das natürlich gar keine Farbe, sondern eher das Nichtvorhandensein jeglicher Tonalität. Weiß ist wie das Licht, hell und anziehend. Ein unbeschriebenes Blatt, das auf neue Erzählungen wartet – der perfekte Hauptakteur wie Nebendarsteller einer differenzierten Garderobe. Inspirierende Fotos und wunderschöne Styles fernab von Hochzeitskleid und Arztkittel illustrieren diesen Trend, der immer wieder in der Modeszene und auf den Straßen aufploppt. Lasst euch von den ersten warmen Sonnenstrahlen dazu ermutigen (ab Seite 44).
Wie ihr wisst, geht es mir ja genau darum: in der Mode mutig zu sein und auch mal etwas zu riskieren. Schließlich entstehen zweimal pro Jahr mit den neuen
Kollektionen auch ganz neue Ideen und Möglichkeiten. Klar, wer in Jeans und T-Shirt schon toll aussieht, bleibt vielleicht gleich dabei. Für die Verwandlung einer nicht
so modemutigen Frau, wie unserer Leserin Melanie, hat mein Team einen Preis verdient (ab Seite 56).
Auch wer den Tisch für Freunde anrichten möchte, kann ruhig mal neue Wege gehen und für jeden Gast eine eigene Farbe und ein eigenes Dekor eindecken. Das passt dann zum Beispiel super zu dem fröhlich-internationalen Stilmix des Menüs, das wir diesmal zusammengestellt haben. Für die französischen Eclairs könnte ich sterben (ab Seite 104). Apropos …
Wie unsere Reportage zeigt, ist es bei unseren lieben Nachbarn in Österreich jetzt hip, die Asche seiner Liebsten zum Diamanten gepresst am Finger zu tragen (ab Seite 88). Der Werbeslogan „Ein Diamant ist unvergänglich“ wird damit aktueller denn je. Und die Verwandtschaft wird gern darauf achten, dass die Altvorderen auch immer gut genährt sind: „Oma hat jetzt schon zwei Karat.“
Also guten Appetit bis dahin und viel Spaß mit dem neuen Heft!

Herzlichst euer Guido Maria
(vermutlich schon bei 2,5 Karat …)